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Die Luftschiffsage vom Luftschiffer über Rambin
von Jörg Dendl www.dendlon.de/Schiff.html
Die Sage(n) vom Schiffsmodell in der Kirche zu Rambin
In der Kirche von Rambin befinden sich zwei Schiffsmodelle, das der Brigg "Christiana", das im Jahr 1824 von einem nicht mehr feststellbaren Spender angefertigt und der Kirche gestiftet wurde, und das Modell der Fregatte "Venus", das im Jahr 1830 in die Kirche gelangte und von dem Kapitän Michael Erdmann Sonntag angefertigt worden war. Mit dem Modell der "Venus", dem größeren der beiden, sind zwei Volkssagen verbunden, die von einem fliegenden Schiff berichten:
Der Luftschiffer über Rambin
"Vor vielen, vielen Jahren sahen die Leute auf Rügen einmal einen Luftschiffer auf seinem Schiffe durch die Wolken fahren. Gerade über Rambin warf er das Senkblei herab, und als dasselbe die Erde berührte, ergriffen es die Dorfbewohner und banden eine Korngarbe daran. Als der Luftmann wieder in die Höhe zog und das Geschenk erblickte, erwies er sich den Rambinern dadurch erkenntlich, daß er ihnen ein Schiff verehrte, welches in der dortigen Pfarrkirche aufgehängt wurde und noch heute zu sehen ist."
[Mündlich aus Rambin auf Rügen.]
Ulrich Jahn,
Volkssagen aus Pommern und Rügen,
Stettin 1886, Seite 43 
Der Luftschiffer über Rambin
Vor langer, langer Zeit sahen die Bewohner der Insel Rügen einmal ein Luftschiffer auf seinem Schiffe durch die Wolken fahren. Über dem Dorfe Rambin warf er das Senkblei herab, um zu messen, wie hoch er über der Erde wäre. Als das Lot die Erde berührte, ergriffen es die Dorfbewohner und banden eine Korngarbe daran. Dann zog der Luftschiffer das Blei wieder in die Höhe, und als er das Geschenk erblickte, das die Leute ihm in die Wolken hinaufgesandt hatten, wollte er sich dafür dankbar erweisen und schenkte den Rambinern ein kleines Schiff; es wurde in der dortigen Pfarrkirche aufgehängt und ist daselbst noch heutigentags zu sehen.
Oskar Ebermann,
Sagen der Technik,
Dürr´s Sammlung deutscher Sagen, Band 4,
Leizig: Hegel & Schade 1930, Seite 33-34 mit Verweis auf Ulrich Jahn, Volkssagen aus Pommern und Rügen, Stettin 1886.
Auch wenn Ebermann angibt die Sage nach Jahn zu zitieren, hat er doch mit Unterstreichungen kenntlich gemacht, stark in den Text eingegriffen, und ihn um einige Passagen ergänzt, die bei Jahn nicht vorkommen. Der letzte Satz wurde vollständig abgeändert.
Eine stark abweichende Version dieser Sage von Alfred Haas:
Vor vielen Jahren lebte ein alter erfahrener Seemann,
der viele Meere befahren und fast aller Herren Länder kennengelernt hatte. Als er eines Tages wieder auf See war, zog die Sonne gerade Wasser an, und da sich sein Schiff im Bereiche ihrer Strahlen befand, wurde das Schiff mit in die Höhe gezogen. So kam der Schiffer in Gegenden, die ihm völlig unbekannt waren, und endlich beschloß er, vor Anker zu gehen. Er ließ den Anker fallen, konnte aber keinen Grund finden; da ließ er eine zweite und bald eine dritte Kette ansetzen, ohne besseren Erfolg damit zu haben. Wärenddessen war das Schiff in die Gegend gerade über Rambin gekommen, und als die Bewohner, die eben mit der Ernte beschäftigt waren, den Anker aus der Luft daherkommen sahen, banden sie eine Korngarbe daran fest. Inzwischen ließ der Schiffer den Anker, da er keine Kette mehr anzusetzen hatte, wieder in die Höhe winden; als er aber der Korngarbe ansichtig wurde, gelobte er, an der Stelle ein Kloster zu gründen, wo ihm die Garbe aufgesteckt worden war. Das war nun in Rambin geschehen, und als der Schiffer später wieder an Land kam, erfüllte er sein Gelübde und baute das Rambiner Kloster.
Zum Andenken an diese Tat wird noch jetzt das Schiffsmodell in der Rambiner Kirche, welches dem einst in die Lüfte erhobenen Schiffe des Seemanns nachgebildet sein soll, aufbewahrt.
Alfred Haas,
Rügensche Sagen, 7. Auflage, Nr. 173, Stettin
Die Luftschiffsage von Rambin ist der einzige Fall einer Sage von der alle Hintergründe bekannt sind.
Die Sage steht in Verbindung mit dem vom Kapitän Michael Erdmann Sonntag gefertigten Schiffsmodell, daß im Jahr 1830 der Rambiner Kirche gestiftet wurde.
Der Volksmund, wie von Jahn nach einem mündlichen Bericht aufgezeichnet schreibt die Herkunft des Schiffsmodells noch dem Luftschiffer zu.
Nur 61 Jahre nach anbringen des Schiffsmodells in der Kirche hatte sich die fantastische Geschichte vom Luftschiff über Rambin etabliert.
1896 zehn Jahre nach der ersten Fassung der Luftschiffsage wurde die zweite Version der Sage veröffentlicht und malt die Geschichte des Luftschiffers wesentlich mehr aus. Es wird erklärt wie das Schiff in den Himmel kam und das wundersame Ereignis wird auch noch mit der Gründung eines Klosters in Zusammenhang gebracht. Das Schiffsmodell ist nun nicht nur ein Geschenk des Luftschiffers, sondern bildete nach dieser Sage sein (Luft)Schiff nach. Warscheinlich waren beide Versionen dieser Sage parallel in Umlauf, obwohl auch die wirklichen Hintergründe der Stiftung des Modells der "Venus" bekannt waren.
1926 hatte Alfred Haas in seinem Aufsatz "Votivschiffe in pommerschen Kirchen" im Pommersches Genossenschaftsblatt 24 (1926), Seite 363-364) nach mündlichen Informationen berichtet, daß dieses Schiff von einem Seemann namens Sonntag angefertigt wurde, was sich erst bestätigte, als bei der späteren Restaurierung der Name "Sonntag" auf einem am Kiel des Modells klebenden Papierstreifen gefunden wurde. (Steusloff, 1981, S. 128)
Es bleibt zu dieser Luftschiff-Sage nur festzuhalten, daß sie weder in das Mittelalter hinabreicht, noch auf einer ungewöhnlichen Sichtung in Rambin beruht.
Die Geschichte von Rambin:
Der auf slawische Ursprünge zurückgehende Ort Rambin auf der Insel Rügen wird als "Rabyn" zum ersten Mal im Jahr 1246 in einer Urkunde erwähnt. Im Jahr 1334 stiftete der Stralsunder Ratsherr Godeke (Gottfried) von Wickede das Hospiz St. Jürgen vor Rambin, damit dort Leprakranken geholfen werden konnte. Das Krankenhospiz St. Georg war "... trotz der Angabe Steinbrücks nie ein Kloster, ... Da es später mit den aufgehobenen Klöstern in der Stadt unter der gemeinsamen Verwaltung des Rates stand, wurde es auch als Kloster bezeichnet, ..." [Hoogeweg, Bd. 2, 1925, Seite 851] Damit steht fest, daß auch die "Klostergründung" aus der Sagenversion nach Haas nicht den historischen Fakten entspricht.
Quellen:
Hoogeweg, H., Die Stifter und Klöster der Provinz Pommern, Bd. 2, Stettin 1925
Steusloff, Wolfgang, Votivschiffe - Schiffsmodelle in Kirchen zwischen Wismarbucht und Oderhaff, Rostock: Hinstorff 1981
Jörg Dendl www.dendlon.de/Schiff.html
So gelangen Sie nach Rambin:
Von der Pension Münzner in Kloster / Hiddensee mit dem Fährschiff nach Schaprode auf der Insel Rügen übersetzen.
Ab Parkplatz Schaprode mit dem PKW über Granskevitz, Zubzow, Trent, Gingst, Steinshof, Haishof, Dreschvitz, Mölln,
Samtens auf der B 96 (ehemals F 96 und noch früher Reichsstraße 96) bis nach Rambin fahren (Richtung Stralsund). Hinter Rambin geht es weiter nach Altefähr oder nach links die Hauptstrasse zum Rügendamm/Stralsund.
Zeppelinstein auf Hiddensee / Rügen
Es existieren Postkarten mit der Abbildung eines großen Graf Zeppelin gewidmete Zeppelinsteines am Strand, mit der Aufschrift Zeppelin 1909. Die genaue Lage konnte nicht mehr ermitteln werden, vermutlich wurde der Stein von der brüchigen Steilküste längst verschüttet.
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Auf Ihren Besuch freuen sich,
Monika & Jürgen Münzner,
Kloster / Hiddensee / Rügen, 11.05.2012 10:00:13 Uhr
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