Jürgen Münzner
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Saßnitz *
-liegt auf dem nordöstlichen Teilen der Insel Rügen, auf der Halbinsel Jasmund, und zwar an der Nordostküste der Prorer Wiek und an der Südseite des meilenweiten Stubbnitzwaldes, am Ausgange einer Schlucht, welche sich nach der See öffnet. Die Lage ist unvergleichlich schön. terrassenförmig ausgebaut, bietet die Ortschaft fast aus jedem Hause eine weite Aussicht auf das Meer. Die herrlichen Buchenwälder der Stubbnitz erstreckten sich bis dicht an den Ort, und in ihnen erheben sich die Kreidefelsen in großartigen Bildungen am Meer bis Stubbenkammer.
Saßnitz ist als Badeort bereits aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts bekannt; sowohl weilte hier schon 1824 Schleiermacher mit seiner Familie. Einen besonderen Aufschwung nahmen die Verhältnisse durch die häufige Anwesenheit höchster Gäste. Ende der 70er Jahre erbaute Prinz Friedrich Karl von Preußen in Saßnitz seine schwedischen Blockhäuser. Die deutsche Kaiserin verweilte hier 1890 mit ihren Söhnen. Der deutsche Kaiser weilte auf seiner Jacht Hohenzollern fast jährlich einige Tage auf der Reede von Saßnitz. Am Strande führt eine herrliche Promenade mehrere Kilometer weit an schroffen Kreidefelsen vorbei. Von der mit Bänken versehenen Terrasse hat man eine schöne Übersicht über den belebten Hafen. Saßnitz ist Endstation der Rügenbahn, welche infolge des Verkehrs mit Schweden nach dem Hafen weitergeführt wurde,
wodurch die Ortschaft der Mittelpunkt der Verkehrslinie Berlin-Saßnitz-Trelleborg geworden ist. Das Frühjahr so lästige An- und Abbooten bei Ankunft der verschiedenen Dampfer fällt nunmehr fort. Der jährliche Fremdenverkehr beziffert sich auf 21.000 Badegäste.
Die Bäder sind sorgfältig von Steinen befreit, so das der Sandgrund zum Vorschein kommt. Saßnitz hat drei Seebadeanstalten, und zwar ein Herrenbad, ein Damenbad und einen Familienbad. Alle drei Anstalten sind komfortabel und auf das modernste angelegt. Neben dem Postgebäude ist das neue Seewarmbad errichtet mit prächtigem Wartesaal und Lesezimmer. In dem selben Gebäude befindet sich das Badebureau.
Der Hauptverkehr spielt sich auf der abends durch elektrische Bogenlampen erleuchteten Strandpromenade ab, die bis Stubbenkammer und Lohme geführt sind.
In Saßnitz sind stets gute Segelboote zu haben, Dampfschiffverbindung mit Binz, Göhren, Thiessow, Greifswald und Stubbenkammer, Lohme und Arkona. Am lohnendsten ist eine Dampferfahrt nach Stubbenkammer; denn von der See aus betrachtet, geben die von Buchen gekrönten Kreidefelsen einen prachtvollen Anblick, der im Mondschein nach von besonderer Wirkung ist. Oft liegen in dem Hafen bei Saßnitz auch Kriegsschiffe vor Anker, denn fast alljährlich werden hier im Sommer größere Flottenübungen abgehalten. Die mächtigen neuen Fähranlagen mit den gewaltigen deutschen und schwedischen Fährschiffen sowie der dichte Verkehr der in kurzen Abständen passierenden Segelboote und Dampfschiffe bieten einen interessantes, abwechslungsreiches Bild.
Ausflüge: schöner Blick von dem etwa 10 Minuten entfernten Fahrnberg; der Weg für rechts hinauf. - Mit dem Besuch des Schlossberges oder Schloßwalls kann man den Besuch der Waldhalle verbinden.
Wegweiser. - Vom 118 m hohen Lenzberg, 1/2 Stunde, betrachte man das Schauspiel des Sonnenuntergangs. Schöne Aussicht auf den Jasmunder Boden. - Ein hübscher Ausflug ist der nach dem Tribber Bach und dem Schloss und Park Dwasieden.
Entweder Bootsfahrt (3 Mark) bis zur Schloßtreppe oder Fußweg (von Saßnitz 2-3 1/2 Km) bis zum Wald. Der Besuch des Parks wird nach Vorzeigung der Legitimationskarte (in den Hotels und bei der Badedirektion) gestattet (kleines Trinkgeld); vom Schloß des Herrn von Hansemann prächtige Aussicht.
Der herrlichste Weg ist der Waldweg
nach Stubbenkammer (Fahrweg 2 Stunden, Uferwanderung 2 bis 3 Stunden, 9 km). Durch die vielen tiefen Schluchten der ins Meer strömenden Bäche steigt man freilich oft hinauf und hinab, wird aber durch die herrlichen Aussichten auf die See und durch die prachtvolle Waldungen reichlich dafür entschädigt; auch findet man vielfach Bänke zum ausruhen. Die Auffindung dieses Uferwaldwegen es ist nicht schwierig.
Vom Herrenbad aus, nicht weit von dem Utkiek, einem Pavillon mit schöner Aussicht auf das Meer zwischen dem Herrenbad und Damenbad, vier Ort einen Weg von Uskahn, Besitz des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen, langsam, später steiler, als Treppenpfad zur Höhe hinauf auf einen weit vorspringenden Kreidefelsen, die Bläse, von welcher man einen herrlichen Blick über das Meer genießt. Etwa auf halbem Wege vor dem Herrenbade der bis zur Bläse liegen auf einem von hohen Buchen umschatteten Plateau die schwedischen Blockhäuser, welche Prinz Friedrich Karl für seinen Sommeraufenthalt hier hat aufstellen lassen; Besichtigung gestartet. Weiter von der Bläse aufwärts gelangt man auf einen noch weiter in das Meer vorspringenden Kreidefelsen, den Hingst. Wenn man diesen Weg verfolgt, so kommt man nach Stubbenkammer.
Stubbenkammer
-ist der Name der höchstgelegenen und zugleich
schönsten Felspartien auf Rügen, deren Hauptvorteil, der Königsstuhl, 119 m aus dem Meere emporragt. Während der Saison findet bei einbrechender Dunkelheit täglich das ganz eigenartige Schauspiel der Beleuchtung der Kreidefelsen des Königsstuhls und der Königskammer statt; dasselbe geschieht durch angezündete Reisighaufen, welche langsam die Felsen hinabstürzen. Der prächtige Hochwald der Stubbnitz bietet eine Menge herrlicher und schattiger Waldpromenaden, die in nächster Nähe zum Herthasee, zur Herthabuche, zur Herthaburg und zu dem Opferstein führen. Auf dem Wege nach Saßnitz gelangt man zur Waldkirche, einem unter mächtigen Bäumen gelegenen, mit Moosbänken versehenen Platze im Walde, auf welchem während der Sommermonate bei günstiger Witterung nachmittags 4 1/2 Uhr Gottesdienst abgehalten wird. Die täglich in Stubbenkammer anlegenden Dampfer bieten Gelegenheit zu Ausflügen nach Nord und Süd.
Quellen:
* Griebens Reiseführer
Band 55
1910-1911
Die Ostseebäder
Sassnitz Seite 106 - 110
Stubbenkammer Seite 111
Der geneigte Leser möge entschuldigen, dass wir nicht erwähnen, welche Orte, Ortsnamen und Sehenswürdigkeiten im Verlaufe der vergangenen 100 Jahre, zweier Weltkriege, viele Jahre entwickelte Sozialistische Gesellschaft und mehrere Rechtschreibreformen verloren gingen oder geändert wurden.
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Auf Ihren Besuch freuen sich,
Monika & Jürgen Münzner,
Kloster / Hiddensee / Rügen, 13.09.2008 07:44:14 Uhr
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